Gesäugeentzündung
im Wochenbett (Mastitis)
Die Mastitis puerperalis ist eine bakteriell bedingte, besonders in den ersten
Tagen nach der Geburt und gelegentlich im Absetzalter auftretende Entzündung
meist eines, seltener mehrerer Gesäugekomplexe. Von der Gesäugehaut
aus gelangen bestimmte bakterielle Keime über den Zitzenkanal in die Milchdrüse,
vermehren sich dort und rufen z.T. schwere fieberhafte Entzündungen hervor.
Ein besonders hoher Keimdruck entsteht, wenn die Hündin zusätzlich
an einer bakteriellen Hauterkrankung leidet. Der zweite Infektionsweg wird über
das Blut von anderen Entzündungsherden her beschrieben, wie z.B. bei Gebärmuttererkrankungen
im Wochenbett. Als besonders krankheitsauslösend gelten bestimmte Staphylokokkenarten,
Streptokokken und Coli-Keime. Zusätzlich führen begünstigende
Umstände zur eigentlichen Auslösung der Infektion, wie Anmelken vor
der Geburt, Hygienemängel, Durchfall bei der Mutter (nach Aufnahme von
Nachgeburten gelegentlich auftretend), Verletzungen am Gesäuge oder Milchstau.
Der typische Zeitraum für Mastitiden liegt in der ersten Woche nach der
Geburt. Ein zweiter Anstieg ist nochmals um die Absetzzeit zu beobachten, wenn
ein kurzfristiger Milchstau einsetzen kann.
Welpenerkrankungen werden häufig im Zusammenhang mit Gesäugeentzündungen
beobachtet, da die keimhaltige Milch, die zwar salzig schmeckt und oft verschmäht
wird, bei Aufnahme zu Durchfällen oder anderen bakteriellen Infektionen
führen kann. Gelegentlich kann die Welpenerkrankung sogar das erste Symptom
einer sich anbahnenden Mastitis sein.Die Mastitis kann sich in mehreren Verlaufsformen
äußern:
Abkapselung des Entzündungsherdes und Abszeßbildung: dieser Verlauf
geht zwar mit hohem Fieber einher (39,8 - 41 °C), aber das Allgemeinbefinden
der Hündin ist nur gering gestört. Infolge der Temperaturerhöhung
trinkt die Hündin mehr, hechelt oft, frißt aber fast normal. Der
Entzündungsherd ist nicht immer sofort auszumachen. Meist bricht der Abszeß
fünf bis sieben Tage nach Beginn der Symptome auf. Bis zu diesem Zeitpunkt
haben eine antibiotische Versorgung und die Verabreichung fiebersenkender Medikamente
das Fieber nicht dauerhaft absenken können. Erst mit dem Entleeren des
eitrigen Sekretes verschwindet die hohe Temperatur plötzlich. Die Wundhöhle
muß noch einige Tage gespült und mit Salben versorgt werden. Die
wichtigste Aufgabe bei unklaren Temperaturerhöhungen über 40,0 °C
und einem ansonsten kaum gestörten Allgemeinbefinden ist die regelmäßige
sorgfältige Abtastung des Gesäuges. Eine Kontrolle des weißen
Blutbildes ergibt meist eine Leukozytenerhöhung mit einer starken Beteiligung
junger weißer Blutkörperchen (Granulozyten, Linksverschiebung). Das
Milchsekret kann immer noch Milchcharakter haben, aber auch blutig- eitrig verändert
sein und zwischen zwei Fingern Fäden ziehen.
Fallbeispiel Gesäugeabszeß: Deutsche Dogge, 4 Jahre, 2. Wurf,
3 Tage nach der Geburt
Neben starkem Hecheln war bei der Hündin eine übermäßige
Wasseraufnahme zu beobachten. Eine Kontrolle der Körpertemperatur ergab
einen Wert von 40,8 °C. Die Nahrungsaufnahme war relativ normal. Der anfängliche
Verdacht einer Gebärmutterentzündung bestätigte sich nicht. Im
Blutbild wurde eine starke Vermehrung der weißen Blutkörperchen zusammen
mit anderen Entzündungszeichen sichtbar. An einem Gesäugekomplex befand
sich in der Tiefe eine etwas derbere taubeneigroße Veränderung. Die
Durchtastung des Gesäuges erbrachte ansonsten keine weiteren Hinweise,
es erschien schmerzunempfindlich und weich. Die Verabreichung von Antibiotika
und fiebersenkenden Mitteln über die nächsten 4 Tage hatte keinen
Effekt auf die Körpertemperatur, die immer zwischen 39,8 °C und 40,5
°C schwankte. Die Futteraufnahme war in den Folgetagen mäßig,
der starke Durst immer noch ausgeprägt. Erst mit der Reifung und der Eröffnung
eines Abszesses im Gesäuge war das Fieber am 6. Tag schlagartig verschwunden.
Diagnose: Gesäugeentzündung (isolierte Abszedierung). Therapie: Wundspülung,
Schmerzmittel, Vitamine, Antibiotika. Der Defekt heilte nach zwei Wochen vollständig
aus. Der Gesäugeabschnitt blieb erhalten.